Dorothea Grießbach, Dipl.

Mein channel – meine Chance? Audiovisuelle Selbstrepräsentationen jugendlicher Video- und YouTube-Akteure aus einem lokalen Hamburger Kontext

Die sogenannte digitale Revolution hat die Produktionsmittel für Videoherstellung auch für Jugendliche aus prekären und sogenannt bildungsfernen Kontexten ermöglicht. Sie betreiben ihre eigenen Videokanäle. Wie repräsentieren sich die Jugendlichen in ihren Videos selbst? Welche Erwartungen und Ziele verfolgen sie mit ihren Kanälen? Ermöglicht ihnen eine Plattform wie YouTube Zugang zur Gesellschaft, von der sie sich aufgrund ihrer Herkunft, der Art des Schulabschlusses, des fehlenden Ausbildungsplatzes ausgeschlossen fühlen?

Meine Beispiele beziehen sich auf teilnehmende, filmische Beobachtung, die ich im Rahmen meiner Forschung zum Thema Öffentlichkeitskonzepte in Hamburg-Billstedt durchführte. Seit September 2012 begleite ich eine Mediengruppe eines Nachbarschaftstreffs und realisierte zusammen mit den Jugendlichen 2013 und 2014 zwei partizipative/künstlerische Videoprojekte.[1]

Ich werde drei männliche Jugendliche und ihre Youtube-Kanäle bzw. Videos vorstellen:

  1. a) „Ich bin kein Wettbewerbstyp“, trotzdem erfolgreich, aber lange nicht monetarisiert, denn „mein channel = Selbstdarstellung ohne Grenzen“ (Zitat eines Jugendlichen)
  2. b) Hoffnung auf fame – die Anzahl der Klicks entscheidet – Wettbewerb über alles – aber mittlerweile eingestellt
  3. c) mit Videos zeigen, dass man doch etwas kann, trotz eines Förderschulabschlusses – und: Lernort YouTube

Vor dem Hintergrund einer gesellschaftlichen Debatte, die von „innerhalb“ und „außerhalb“ der Gesellschaft spricht und die Jugendlichen zu potentiell „Exkludierten“ erklärt (und damit festschreibt),[2] praktizieren die Jugendlichen in ihren Videoaktivitäten im Internet ein „in“ und „out“, bewegen sich zwischen online, öffentlich und offline. Sie eignen sich Wissen an, setzen sich inhaltlich/ästhetisch mit Bild und Ton auseinander und lassen Versuche/Interesse einer öffentlichen/gesellschaftlichen Teilhabe erkennen.

Ich werde drei Aspekte[3] in meiner Analyse berücksichtigen und verschränken: a) die Videos hinsichtlich Bild und Ton, des „performten Blicks“ (Kamera), der jedoch in Abhängigkeit von den (technischen) Produktionsmöglichkeiten entsteht, betrachten

  1. b) die Selbstwahrnehmung der Jugendlichen in der Gesellschaft
  2. c) die Selbstwahrnehmung der Jugendlichen als YouTube/Internet-Akteure

In meinem Tagungsbeitrag werde ich neben Vortragselemente mit Clips der Jugendlichen und Videoaufnahmen, die im Laufe der Forschung von den Jugendlichen und mir gefilmt wurden, arbeiten.

 

Dorothea Grießbach, Studium der Visuellen Kommunikation an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Dokumentarfilmerin, Kamerafrau und Journalistin in Hamburg. Doktorandin am Graduiertenkolleg „Versammlung und Teilhabe: urbane Öffentlichkeiten und performative Künste“ (www.versammlung-und-teilhabe.de). Das Graduiertenkolleg ist eine Kooperation der wissenschaftlichen und künstlerischen Institutionen Hafencity Universität Hamburg, K3 Zentrum für Choreographie und Fundus Forschungstheater.

 

 

[1] Vgl. http://www.versammlung-und-teilhabe.de/cms/wp-content/uploads/2013/03/Versammlungen_VOL15.pdf und http://www.versammlung-und-teilhabe.de/cms/wp-content/uploads/2014/04/VuT_Programmheft2014.pdf (letzter Zugriff 02.03.2015)

[2] Vgl. u.a Bude, Heinz/Willisch, Andreas (Hg.): Exklusion. Die Debatte über die „Überflüssigen“, Frankfurt/Main 2008

[3] Die Herausforderungen an die Visuelle Anthropologie sind vielfältig, was sich in einer Pluralität bzw. Verschränkung unterschiedlicher Methoden derzeit widerspiegelt. Vgl. Leimgruber, Walter et al: „Visuelle Anthropologie: Bilder machen, analysieren, deuten und präsentieren“, in: Hess, Sabine et al: Europäisch-ethnologisches Forschen. Methoden und Konzepte. Berlin 2013, S. 247-282

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