Dr. Florian Krautkrämer

GoPro-Vision: Die Produktion von Authentizität

Mehr als jede andere Actioncam steht die GoPro für das Versprechen authentischer Aufnahmen direkt aus dem Geschehen selbst. Dies kann sowohl ein Sportereignis sein wie Surfen oder Mountainbike-Fahren, als auch die Berichterstattung aus Bürgerkriegsgebieten wie Syrien. Dieser Eindruck der Involviertheit rührt aber nicht allein aus der technischen Konzeption der Kamera, die es dem Nutzer, der Nutzerin ermöglicht, sie zu Einsätzen und Tätigkeiten mitzunehmen, bei denen es bisher kaum möglich war, bewegte Bilder aufzuzeichnen; viel mehr sind die Bilder der GoPro Teil eines Geflechts aus mindestens drei Faktoren, die zu einem authentischen Bildeindruck führen, und die der Vortrag genauer ergründen möchte:

1: Perspektive – die Kamera kann durch unterschiedliche Systeme an verschiedenen Körperteilen und Gegenständen befestigt werden. Hierdurch entstehen nicht nur völlig neue Perspektiven, viele Beispiele sind wie kleine visuelle Rätsel aufgebaut, da man als Rezipient_in durch eine genauere Betrachtungsweise der Bilder zunächst herausfinden muss, wo die Kamera angebracht ist, um sich in der Aufnahme selbst zurecht zu finden.

2: Involviertheit – durch die dynamische Bildgestaltung sowie die ungewöhnlichen Bildwinkel wird die Aufmerksamkeit immer wieder auf den Menschen hinter der Kamera gelenkt, selbst wenn dieser nicht im Bild zu sehen ist. Da dies sowohl für die aufmontierte als auch die portable Kamera gilt, scheint es so, als würde hier die Unterscheidung zwischen einer technomorphen und einer anthopomorphen Kamera nicht mehr greifen.

3: Kommunikation – die Identifikation des Rezipienten mit dem Menschen hinter der Kamera wird beeinflusst durch die Diskurse, in die die GoPro selbst eingespannt ist. In der Werbung, in Foren und Tutorials werden verschiedene Möglichkeiten der Montage und des Einsatzes thematisiert und gezeigt. Bei vielen Clips steht die Frage nach der Inszenierung ebenso im Vordergrund wie das Sujet selbst.

Durch diese drei Faktoren, so möchte ich zeigen, entsteht eine spezielle Art von Authentizität, die das Technologische der Bilder ebenso thematisiert wie den Akt der Enunziation selbst.

 

Dr. Florian Krautkrämer, Medienwissenschaftler am Institut für Medienforschung der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. 2011 Promotion mit einer Arbeit zur „Schrift im Film“. Forschungsschwerpunkte sind mobile Medien, Kamerasysteme, Ästhetiken und Diskurse des Digitalen Films, Experimentalfilm, Paratexte der Medien, Horrorfilm. Die letzte Publikation, zum Thema erschien in der Zeitschrift für Medienwissenschaft 11/2014: Revolution Uploaded. Un/Sichtbares im Handy-Dokumentarfilm.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s