Dr. Marion Hamm

Bewegtbildpraktiken als Mittel der politischen Kommunikation: 
Mobilisierung, Reflexion und politische Subjektivierung mittels aktivistischer Videoclips

Die Produktion von Videoclips und deren Verbreitung auf kommerziellen Social Network Plattformen ist heute eine weitverbreitete kulturelle Praxis, mit der unterschiedlichste Themen bearbeitet werden.

Dieser Beitrag hebt die historische Vorreiterrolle sozialer Bewegungen hinsichtlich dieser Popularisierung von digitalen Bewegtbildpraxen hervor. In der Forschung zu sozialen Bewegungen wurden online-Aktivitiäten sozialer Bewegungen weitgehend im Hinblick auf ihre instrumentelle Funktion als Mobilisierungselemente untersucht. Im Gegensatz dazu wird hier die These vertreten, dass der Umgang mit selbstgemachten Videoclips schon in ihrer frühen Form als politische Kommunikation von Prozessen der Subjektivierung geprägt war.

Soziale Bewegungen haben seit der Demokratisierung des „Web 1.0“ Ende der 90er Jahre im Rahmen ihrer politischen Kommunikation Videoclips produziert und online verfügbar gemacht. Pioniere dieser Entwicklung waren die MedienaktivistInnen der globalisierungskritischen Bewegung, die eine alternative online  Plattform namens Indymedia betrieben. Dort hatten AktivistInnen weltweit die Möglichkeit, Protestereignisse multimedial zu dokumentieren, zu  reflektieren oder für sie zu mobilisieren.

Der Beitrag rekonstruiert erstens die mit der online-Verbreitung aktivistischer Videoclips verbundenen technischen Herausforderungen und deren kollektive Bearbeitung in der Web 1.0-Ära. Zweitens wird nach den affektiven Qualitäten aktivistischer Videoclips zum Zeitpunkt ihrer Produktion, aber auch im historisch-biographischen Rückblick gefragt. Zusammenfassend wird dargestellt, wie Produktion und Rezeption aktivistischer Videoclips nicht nur mobilisierende Wirkung zeigen, sondern selbst zur Konstitution neuer politischer Subjektivitäten beitragen.

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