Medina Velic, Mag.a

Muslimisch- Jugendlich- Sichtbar

Im Jahre 2012 feierten österreichische MuslimInnen das 100-jährige Jubiläum des „Islamgesetzes in Österreich“. Mit der Anerkennung des Islam in der Donaumonarchie, erreichte der Islam den Status einer anerkannten Religionsgesellschaft, äquivalent zum Status der Katholischen Kirche und anderen staatlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften. Zwei Jahre später, genauer im Oktober des Jahres 2014, wird die Erneuerung des Islamgesetztes seitens des Integrationsministeriums und des Kultusamtes beider Regierungsparteien (Sozialdemokratische Partei Österreichs -SPÖ und Österreichische Volkspartei- ÖVP) für nötig erklärt und der Entwurf zum neuen Islamgesetz im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. Während der Präsentation des Religionsgesetzes sind neben den beiden Ministern Kurz und Ostermayer keine VertreterInnen der Islamischen Glaubensgemeinschaft anwesend. Warum werden die Stellungnahmen des Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich-IGGiÖ nicht berücksichtigt? Haben die Mitglieder des Obersten Rates der IGGiÖ,  bzw. die Mitgliedsverbände bei den Gesetzesverhandlungen mitgewirkt? Welches Mitspracherecht kam muslimischen Jugendverbänden zu?

Die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ) meldet sich wenige Tage nach der Entwurfspräsentation im Rahmen einer eigenen Pressekonferenz zu Wort. Eine BürgerInneninitiative wird gegen den Regierungsentwurf im Parlament eingereicht, ein eigener Gesetzesentwurf wird vorgestellt, Medienpräsenz folgt.

Um die muslimischen Jugendlichen als KonsumentInnen sozialer Netzwerke zu erreichen und sie auf das Diskriminierungspotenzial, den „Generalverdacht“ aller österreichischen MuslimInnen, die „Gesetzeswidrigkeit“ des Regierungsentwurfs aufmerksam zu machen, werden Videos produziert, in welchen die Versäumnisse des neuen Islamgesetzes sowie die Gefahren für und die Exklusion der muslimischen Community thematisiert werden. AkteuerInnen der Filmbeiträge sind muslimische Jugendliche selbst, die sich als „mündige, gesellschaftskritische und reife“ BürgerInnen Österreichs verstehen und ihre Anliegen in Bildern auf „Facebook“ und „YouTube“ posten.

Videotitel wie „Islamgesetz: Kuchenrezept mit Günther und Jochen“, „Österreichische SchülerInnen radikal?“ oder „Kaiser Franz Joseph zu Gast in der TIB 27 mit Tarik Seitner“ entstehen. Was wollen diese Jugendliche mittels ihrer satirischen Bildproduktion ausdrücken/aufarbeiten?

Diese Bewegtbilderpraxen haben in Österreich im Rahmen der aktuellen „Radikalisierungsdebatte von Jugendlichen“ ein neues Argumentationsfeld erschlossen. Die MJÖ präsentiert ein Antiradikalisierungsprogramm „Radikal gegen Extremismus“ und propagiert eine österreichisch islamische Identität bei Jugendlichen.

Aus kulturwissenschaftlicher Perspektive soll untersucht werden, welche Schnittstellen der politischen Partizipation einerseits und Marginalisierung andererseits bildlich dargestellt werden. Welche politischen Inhalte werden jugendgerecht in den Videos produziert und wie werden sie von Jugendlichen in sozialen Netzwerken aufgegriffen bzw. bewertet?

Mag.a Medina Velic, Jahrgang 1987, Studium der Kultur- und Sozialanthropologie Wien u. Kulturanthropologie Graz, Titel der Diplomarbeit: Lautstark und/oder marginal. Muslimische Frauenelite in Österreich; Publikationen zu Islamophobie am Arbeitsmarkt und in der Bildung; Forschungsfelder: Islamophobie und antimuslimischer Rassismus, Muslimische Jugendkulturen, Fraueneliten

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