Tine Nowak, M.A.

See you on YouTube. Informelle Mobilvideopraxen von Kindern und Jugendlichen

Durch den täglichen Gebrauch von Handys ist die Produktion von Videos Teil des jugendlichen Alltags geworden. Der Passus Handyfilm greift hier jedoch zu kurz. Medienkonvergenz wirkt sich nicht nur auf Formate, sondern auch auf die Medien selbst aus. Im Smartphone sind Funktionen des Telefons, der Kamera, des internetfähigen Kleincomputers sowie weiterer Anwendungen in einem einzigen Gerät vereint. Im Rahmen eines Dissertationsprojekts, welches jugendliche Praxen der mobilen Videoproduktion untersucht, wird  dementsprechend der Begriff des Mobilvideos eingeführt. Mit Mobilvideo sind Videos bezeichnet, die mit multifunktionaler, internetfähiger und mobiler Technologie produziert worden sind, im Alltag jugendlicher Lebenswelten sind damit Smartphones und Tablets gemeint.

Die visuellen Artefakte werden in privaten Kontexten aufgenommen, im Freundes- und Familienkreis gezeigt, zur Erinnerung und in Momenten am Smartphone-Display selbst aufgerufen oder auf Social Media Kanälen eingeschränkt privat oder öffentlich geteilt. Jugendliche unterscheiden dezidiert zwischen dem nicht öffentlichen und öffentlichen Gebrauch der Mobilvideos. Der nicht öffentliche Gebrauch ist unbestimmt, da der Zugriff bis auf exemplarische Einzelfälle verwehrt bleibt. Der öffentliche Gebrauch lässt sich hingegen auf Videoplattformen wie YouTube untersuchen. Beiden Ausformungen widmet sich das qualitative Forschungsprojekt mit Einzel- und Gruppeninterviews.

Der Vortrag fokussiert sich auf drei Formate des öffentlichen Gebrauchs, bei denen junge Menschen YouTube als Distributionsort für Mobilvideos nutzen: (1) Adaptionen von Let’s Play Videos, (2) Brickstone Stopptrick-Kurzfilme und (3) personenzentrierte Tutorials.
Dies lässt sich am Beispiel des Let’s Play-Videos kurz illustrieren: Let’s Play ist eine Computerspielpraxis, bei der während des Spielens der Bildschirminhalt mitgeschnitten wird, während der oft männliche Gamer die Handlung kommentiert. Dieses Genre ist mittlerweile ein professionalisierter YouTube-Trend. Für Kinder und Jugendliche sind populäre Let’s Player Vorbilder. In eigenen YouTube-Kanälen, die mit verfügbaren Werkzeugen wie Smartphones einfach produzierte Mobilvideos zeigen, imitieren sie das gängige Let’s Play-Genre in unterschiedlichen Ausprägungen.

Der Beitrag aus der Medienpädagogik bietet eine bildungswissenschaftliche Perspektive auf gegenwärtiges Medienhandeln im Kontext von Mobilvideos und setzt den Schwerpunkt auf die Ausformungen und Modifikationen des Medienformats durch junge Menschen im Alter von 10 bis 18 Jahren. Vor diesem Hintergrund fragt der Vortrag nach Transformationsprozessen als Aneignung von Welt im Spannungsfeld des sich Selbst-Verhandelns zwischen Selbst- und Fremdbild.

Tine Nowak ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Medienpädagogik an der TU Darmstadt und promoviert mit einer qualitativen Untersuchung zu eigenproduzierten Mobilvideos von Jugendlichen. Sie studierte Kunstpädagogik, Kulturanthropologie und Kunstgeschichte an der Goethe Universität Frankfurt. Am Museum für Kommunikation Frankfurt kuratierte sie Ausstellungen zu Praxen des Autobiografischen und des Selbermachens („Absolut privat!? Vom Tagebuch zum Weblog“, sowie „DIY: Die Mitmach-Revolution“).

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